Alle Artikel von Redaktion

Mutmacherin für Herzen

Ilka Brühl. Ein Name, den nicht jeder kennt, sich aber definitiv merken sollte. Diese Frau hat viele Seiten und Talente und will gehört werden, denn sie hat etwas Wichtiges zu sagen. Und wir sollten alle aufmerksam zuhören.

Liebe Ilka, schön, dass du uns ein paar Fragen beantwortest. Podcast, Blog, Instagram, Facebook, Illustratorin und jetzt auch noch Autorin. Das ist aber eine ganze Menge. Was war denn zuerst da?
Eigentlich ein Maschinenbaustudium, aber ich muss selbst grinsen, während ich das sage. Mich haben schon immer sehr viele Dinge interessiert und so kam es noch während des Studiums dazu, dass ich begonnen habe, Fotos von mir auf Instagram und Facebook hochzuladen. Als ich gemerkt habe, wie viel Mut das manchen Menschen macht, die sich anders fühlen, kamen bestärkende Texte dazu. Irgendwann hatte ich so viel zu sagen, dass Blog und Podcast geboren wurden. Und seit diesem Jahr pausiere ich meine Tätigkeit als Maschinenbauingeneurin, um meinen Traum zu verwirklichen als Autorin und Illustratorin von bestärkenden Kinderbüchern mein Geld zu verdienen.

Was davon ist für dich heute das Wichtigste? Hast du etwas, dass du als deinen Hauptberuf bezeichnen würdest?
Das ist noch schwierig zu sagen, weil ich erst seit einem halben Jahr selbstständig bin und mein Bilderbuch noch gar nicht im normalen Handel zu kaufen ist. Noch lebe ich also hauptsächlich von Ersparnissen aus der Maschinenbauzeit. Wenn es aber danach geht, was meine Vision ist, bin ich hauptberuflich Autorin und Illustratorin.

Letzten Monat hast du eine Crowdfunding-Kampagne gestartet für dein erstes Buch. Was hat es mit dem kleinen Kater auf sich? Worum geht es in dem Buch?
Vielleicht ganz kurz für die Leute, die nicht wissen, was es mit einer Crowdfunding-Kampagne auf sich hat. Da ich dieses Buch ohne Verlag herausbringe, konnte man im Juni mein Buch für den September vorbestellen. Mit diesen Einnahmen gehe ich jetzt in den Druck und habe so kein finanzielles Risiko. Mein Buch heißt ‚Milo – der Naschkater‘ und es geht um einen Kater, der sich anders fühlt, weil er kein Fleisch mag. Außerdem hat er den verrückten Traum, Meisterkonditor zu werden. Ausgerechnet eine Maus hilft ihm dann, sein eigenes Café zu eröffnen, das richtig gut ankommt. Mit dem Buch möchte ich mehrere wichtige Botschaften vermitteln. Zunächst einmal, dass niemand wirklich anders ist, weil wir alle unterschiedlich sind. Außerdem lernt Milo, dass er mit allen Tierarten befreundet sein kann, egal wie untypisch das wirken mag. Was mir besonders wichtig war, dass am Ende ganz unterschiedliche Tiere in Milos Café zu Gast sind, damit die Schlussfolgerung nicht ist, dass sich zwei Außenseiter gefunden haben und separat bleiben.

Auf deinem Blog sprichst du von einer Mission, es gibt sogar einen ganz eigenen Abschnitt dafür. Was ist denn deine Mission und was liegt dir am Herzen?
Das stimmt, ich benutze den Ausdruck sehr gerne, weil er gut verdeutlicht, dass es keine kurze Laune ist, sich ein bisschen für die Vielfalt unserer Bevölkerung stark zu machen. Den Podcast und Social Media habe ich fast zwei Jahre nebenberuflich betrieben, was sehr viel Arbeit gemacht hat, aber die Sache war es wert. Mir liegt es am Herzen zu zeigen, dass es ein Vorteil für alle ist, dass wir so unterschiedlich sind. Man muss nicht jeden Menschen mögen und näheren Kontakt suchen. Aber von unserer Diversität kann die Gesellschaft nur profitieren.

Mit deiner ganz besonderen Geschichte und deinen Erfahrungen sich anders zu fühlen, bezeichnest du dich selbst als Mutmacherin. Was bedeutet das?
Im Grunde richte ich mich an zwei Gruppen. Einerseits die Betroffenen – also Menschen, die sich aus welchen Gründen auch immer manchmal anders oder unzureichend fühlen. Und das sind mehr, als man denkt. Ich habe schon so viele Menschen kennengelernt, die auf den ersten Blick das perfekte Leben haben und dennoch nicht mit sich zufrieden sind.

Aber ich möchte mich auch an z.B. Eltern von Kindern richten, die nicht so sind wie die Mehrheit der Gesellschaft und ihnen zeigen, dass sie sich keine Sorgen um ihre Kinder machen müssen.

Beiden möchte ich Mut machen, an sich bzw. die Kinder zu glauben, denn das ist das Wichtigste.

Mit deinem Podcast und deine vielen Posts auf Instagram gibst du den Menschen viel positive Energie und auch Mut. Was ist das Schönste, was du zurückbekommst?
Die lieben Nachrichten und Kommentare, in denen mir Menschen erzählen, wie sich ihr eigenes Denken verändert hat und dass sie glücklicher mit sich selbst sind.

Was treibt dich jeden Tag an, sich für andere Menschen einzusetzen? Was würdest du dir in einer perfekten Welt für dich und auch andere Menschen, die nicht der optischen Norm entsprechen, wünschen?
Hoffentlich ist das einfach irgendwann gar kein Thema mehr. Denn es ist ja eine Illusion, dass in der Gesellschaft alle gleich sind. Manche haben andere, weniger offensichtliche Dinge, die sie unterscheiden. Sobald wir akzeptiert haben, dass wir alle unterschiedlich sind und optische Unterschiede gar nicht mehr so stark wahrnehmen, bin ich zufrieden.

 

Augen und Ohren auf: den zweiten Teil es Interviews gibt es ebenfalls bald online zu lesen.

Wenn ihr mehr über Ilka erfahren möchtet, ihr findet sie hier: www.ilka-bruehl.de 

 

Die nackte Wahrheit

Kaum bekleidete Körper bewegen sich fließend auf einer Bühne, während Zora sie hinter den Kulissen authentisch mit der Kamera einfängt. Der Zauber von Burlesque.

Du tanzt selber Burlesque. Was war zuerst da: das Tanzen oder die Fotografie? Und wie kam es dazu, dann du „Hinter den Kulissen“ von Burlesquetänzen fotografierst?
Seit 15 Jahren bin ich Burlesque Tänzerin, mit dem Namen „Miss Popalina“, ein festes Mitglied der ersten deutschen Burlesque-Truppe, “die Teaserettes“. Also das kam zu erst. Ich kenne fast jeden aus der Szene oder die meisten haben von mir schon mal gehört. Durch meine jahrelange Erfahrung als Tänzerin habe ich eine ganz besondere Nähe zu den Künstlern, ich bin eine von ihnen und zudem eine Frau. Ich gehe stark auf die Persönlichkeit der Leute ein und schaffe dadurch intime Porträts von ihnen und atmosphärische Eindrücke in diese glitzernde Backstage-Welt.

Die meisten kennen meine Bilder, wissen, was sie zu erwarten haben und vertrauen mir. Ich erschaffe leidenschaftliche Bilder für sie (von ihnen?) und versuche, ihren Wünschen entsprechend ein wundervolles Ergebnis entstehen zu lassen.

Du hast mit deiner Fotografie große Erfolge gefeiert. Du hattest auch eine eigene Ausstellung – welche Bedeutung hat es für dich, deine Werke mit anderen Menschen teilen zu können?
Es fällt mir schwer über meine Erfolge zu reden. Was sind Erfolge und was Misserfolge? Ich bin kein Wunderkind; dahintersteckt harte Arbeit und aus Scheitern entwickele ich mich weiter. Mein Erfolg sehe ich dort, wo sich Stars für meine Serien ausziehen :). Mit den Fotoprojekten „Backstage Burlesque“ und „Toyboy – Lady superlative“ hatte ich bisher 5 Ausstellungen in Berlin, Hamburg und München. Ich hatte Veröffentlichung in tschechischen Modezeitschrift „Forman“ und erscheine als junges Talent in „Peoplealbum04“, ein Bund der Reihe der bekannten Fotografie- Jahrbücher von Seltmann+Söhne Verlag. 

Ich arbeite an meinem ersten Fotobuch „Backstage Burlesque“, welches noch dieses Jahr erscheint. Meine Bilder anderen zeigen zu können, bedeutet für mich, Feedback, Austausch und Verkaufspotenzial. 

Hast du manchmal das Gefühl, andere durch deine „Augen“ oder dein „Herz“ schauen lassen zu können?
Das ist sogar mein Ziel. Ich versuche sie so darzustellen, wie ich sie wahrnehme, wie ich sie in meinen Augen und Herz sehe. Die Bilder sollen ihre Geschichten erzählen. Ich versuche Sinnlichkeit und natürliche Schönheit einzufangen. Mit etwas Fantasie entstehen ihre eigenen Bilderwelten, die zu Gefühlen werden können.

Welche Möglichkeiten und Potentiale siehst du in Social Media – in wie weit verstehst du dich als Influencerin?
Social Media ist eine tolle Plattform für verschiedene Branchen und Marken, wo jeder sich kommerzialisieren und etablieren könnte. Ich arbeite gernemit meinen Kollegen zusammen und lebe das Netzwerken an vielen Stellen. Als Influencerin produziere ich kreative Fotos und möchte damit Menschen anregen und inspirieren. 

Du bist auch als Stilberaterin und Kostümverleiherin für Künstler und Produktionen sehr erfolgreich gewesen – welchen Stellenwert hat Mode für dich?
Mein großes Interesse an Mode in jeder Form und ihre grenzenlose Kreativität sorgen dafür, dass ich immer wieder Neues ausprobiere und mein Wissen stetig erweitere. Mode ist unglaublich vielfältig, und für den, der nach einem eigenen Stil schaut, bieten sich überall eine Menge Kleidungsstücke mit dem „ganz besonderen Etwas“. Man muss sich einfach auf die Suche machen oder beraten lassen. Ich könnte jede Frau in eine glamouröse Diva und jeden Mann in einen stilvollen Gentleman verwandeln. 

In wie weit können Klamotten Kunst sein? Welche Bedeutung hat Kleidung für dich? Und was ist dein Lieblings-Outfit/Lieblings-Kleidungsstück?
Mode sollte anziehend und funktional sein, erst dann sollte Ästhetik folgen. Kreationen von Modedesigner sind nicht immer tragbar. Sie können uns aber inspirieren. Immer wieder wiederholen sich Trends. Unsere Generation möchte aber von neuer Mode begeistert werden. Zunehmend mehr Menschen stellen sich gerne individuelle Outfits zusammen. Wir werden mutiger, offener und individueller. Besonders in Berlin, hier auf der Straße läuft die Kunst! Das mag ich sehr ;).

Kleidung hat für mich etwas Experimentelles, womit ich mich selbst verwirklichen kann und etwas Psychologisches, das mir helfen kann, Ziele zu erreichen.

Ich habe einen Stilmix von Vintage bis Modern. Ich schätze Qualität, angenehme Stoffe und Schnitte, die sitzen. Ich mag nicht, wenn jemand das Gleiche trägt wie ich oder man mich auf Grund der Kleidung kategorisiert. Im Moment habe ich als Lieblings-Outfit eine knallrote figurbetonte hochgestellte Hose, die perfekt zu meinem edlen roten Fahrrad passend, kombiniert mit einem schwarzen langarmigen Top aus Baumwolle mit großen Ausschnitt, dazu kurze Kunst-Leder Jacke und schwarze exklusive Schnürstiefeletten im femininen Look.

„Ich könnte jede Frau in eine glamouröse Diva und jeden Mann in einen stilvollen Gentleman verwandeln.“

Und nur zu dir privat – wie lebst du in Berlin? Wie können wir uns deinen Alltag vorstellen?
Ich bin Mutter, also die Basis meines Alltages ist das Leben mit meiner Familie. Aber heute ist mein Kind groß genug, dass auch Platz für meine anderen Leidenschaften wie Reisen, Natur, Kultur und Arbeit ist. 

Und zum Schluss: Wenn du einen Künstler/berühmten Menschen treffen und ihm eine Frage stellen könntest, was wäre es? 
Wie verdienst du mit deiner Kunst genug Geld, um davon zu leben? LOL 

 

Wo ihr Zora Jurenkova finden könnt:

https://www.zoraphotography.com

https://www.instagram.com/zorajurenkovaphotography/

https://www.facebook.com/zorajurenkova/

 

Fotografin der schönen Künste

Mit ihrer Fräulein Glitter Boutique verhalf sie ihren Kunden zu einem individuellem Stil. Als Fotografin setzt sie Körper perfekt in Szene. Als Tänzerin stand sie jahrelang selbst auf der Bühne. Wer ist diese vielfältige Frau?

Du bist Fotografin, Tänzerin, Stilberaterin, Kostümverleiherin und hast schon unzählige weitere berufliche Stationen hinter dir – als was würdest du dich selber bezeichnen? Wo liegt dein Schwerpunkt?
Heute würde ich mich als „Fotokünstlerin“ bezeichnen. Ich arbeite als freie Fotografin und bilde mich derzeit noch auf einer privaten Academy zum Fotoartisten weiter, das ist eine Kombination aus Fotograf und Mediengestalter. Diesen Sommer werde ich dann fertig. Ich spezialisiere mich auf Menschen-, Porträt-, Mode-, und Erotikfotografie, bevorzugt in Schwarzweiß. Meine Lieblingsthemen sind die Stars und Sternchen der Burlesqueszene. Besonders das Geschehen hinter den Kulissen und Boudoir Fotografie fasziniert mich. Ich übernehme Auftragsarbeiten, stelle aber auch meine eigene Kunstfotografie aus. Ich fotografiere in meinen barock eingerichteten „L’atelier und inszeniere kreative Sets im Studio.

Gelernt hast du an einer Hotelfachschule. Wie kam es dazu, dass du heute fotografierst? Wie würdest du deinen Weg beschreiben und was waren die entscheidenden Meilensteine?
Ich habe meine Kindheit in Prag verbracht und zog danach in die USA. Seit 2000 lebe ich in Berlin. Ich bin seit frühester Jugend als Model unterwegs gewesen und seit über 15 Jahren tanze ich Burlesque. Ich stand oft vor der Kamera und auf der Bühne. Bis Ende 2016 war ich Inhaberin eines Vintage-und Second-Hand-Ladens namens „Fräulein Glitter Boutique“ und arbeitete dort auch als Stilberaterin. Die Boutique war beliebt als Kostümverleih für Fotoshootings. So lernte ich viele interessante Künstler aller Art kennen. Schon in jungen Jahren bemerkte ich, dass Kunst, vor allen Fotografie, meine Leidenschaft ist. Es ist circa 6 Jahre her, dass ich meine erste Kamera bekam und selbst zu fotografieren begann. In den letzten Jahren fotografierte ich primär backstage bei zahlreichen internationalen Burlesque Events. 

Aus vielen Bekanntschaften entwickelten sich freie Kooperationen. Meine Modelle sind meist Kolleginnen und Kollegen aus der Burlesque und Schauspiel Szene, keine professionellen Models.

Zu deinem Weg gehören auch viele Ortswechsel. Aufgewachsen in Prag, dann in die USA, um schließlich in Berlin zu bleiben. In wie weit haben dich diese verschiedenen Stationen geprägt?
Prag ist meine Heimat. Ich bin dort aufgewachsen, dort bin ich zur Schule gegangen, dort habe ich erste wahre Freundschaften geknüpft, dort habe ich meine Pubertät überlebt, dort ist meine Familie und meine Mama, die eine große Rolle in meinen Leben spielt. Mit 18 zog in nach Amerika, raus aus meine Komfortzone und ziehe seitdem endlich die Klamotten an, die ich will. Dort findet sich meine erste Vision: mit Mode zu arbeiten. 

In Berlin lernte ich spannende Menschen kennen, ich fing an, zusammen mit anderen Künstlern zu arbeiten und lernte viel von ihnen. Meine Ideen wurden gefeiert, kritisiert und unterstützt. Ich fand mein neues Zuhause und mich selbst. Berlin bietet mir Raum, interessante Motive, ausgefallene und eindrucksvolle Orte und Menschen, die mich inspirieren.

„Ich bin jeden Tag dankbar, ich selbst seien zu dürfen, mich selbst ausdrücken zu können, als Frau leben zu dürfen.“

In wie weit unterscheiden sich diese Orte und was konntest du jeweils als Inspiration für deine Arbeit und dein Privatleben mitnehmen?
Ich bin tief mit meiner Heimat Prag verwurzelt. Ich habe Prag sehr jung verlassen und viele Ideen für meine Zukunft mitgenommen.

Aus Amerika habe ich mir die Inspiration, nachzudenken mitgenommen. 

Ich wohne nun seit zwanzig Jahren in Berlin und bin immer noch gespannt und neugierig, was hier noch so passiert und bin jeden Tag dankbar, ich selbst seien zu dürfen, mich selbst ausdrücken zu können, als Frau leben zu dürfen. So mag ich es und das ist für mich sehr wichtig und inspirierend.

Du bezeichnest dich selbst mal „Fotografin der schönen Künste“: Wie definierst du Schönheit? Was machen für die die „schönen Künste“ aus?
Meine Definition für „Schönheit“ sind Natürlichkeit und echte Situationen. Am liebsten fotografiere ich Menschen: vom Porträt bis hin zum klassischen ästhetischen Akt mit Fokus auf die Persönlichkeit des Motivs. Es hebt das Wesentliche in den Vordergrund. Ich setze gerne vorhandenes Licht in meinen Arbeiten ein. Dadurch schafft man zeitlose Momente. Die Technik rückt in den Hintergrund. Meine Bilder fangen einen Augenblick ein, sind nicht immer technisch perfekt und manchmal unscharf, fast gar nicht retuschiert. Sie sind leicht provokativ und erotisch, aber elegant und ästhetisch. Ich bin keine klassische Fotografin der „Fine Art“. Trotzdem sind meine künstlerischen Arbeiten keine Auftragsarbeit, es sind Werke, die in meinem Kopf entstehen, die die Sinne anregen.

Welche Künstler und Kunstgattungen haben dich besonders geprägt?
Im Laufe meiner Geschichte gab es viele wichtige Persönlichkeiten die mich geprägt haben. Künstler aus verschieden Epochen. Ich entwickle meinen eigenen Fotografenstil gerne weiter.

Aus der Fotowelt sind das z.B. Helmut Newton, Peter Lindbergh, Irving Penn, Ellen von Unwert, Stanley Kubrick, Vivien Maier, Frantisek Drtikol, meine tschechische Freundin, berühmte Akt Fotografin Tereza z Davle, Alexander Rodtschenko mit seiner Revolution Fotografie und der große Pop Fotograf David La Chapelle. 

Fortsetzung folgt…

 

Wo ihr Zora Jurenkova finden könnt:

https://www.zoraphotography.com

https://www.instagram.com/zorajurenkovaphotography/

https://www.facebook.com/zorajurenkova/

Aufregendes Bier, statt langweiligem Prosecco

Bier auf Wein, das lass sein. Wein auf Bier, das rate ich dir. Oder so ähnlich. Sünje sieht das anders, denn: Bier ist ihr Leben. Ganz sprichwörtlich, denn Sünje hat sogar ein Buch über das beliebte Hopfengetränk geschrieben. Aber lest selbst:

Sünje. Das klingt erstmal außergewöhnlich. Wo kommt der Name denn her?Der Name ist friesisch – genau genommen nordfriesisch. Dort bin ich an der Küste in der grauen Stadt am Meer, also Husum, geboren und auf der Geest in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Ganz im Kontrast zur grauen Stadt bedeutet mein Name übrigens „kleine Sonne“. Hier in Hamburg ist der Name selten, er wird häufig skandinavisch eingeordnet. Das passt allerdings auch gut zu mir, ich bin nämlich nicht nur Einachtel-Dänin, ich habe auch zwei Jahre in Schweden gelebt und bin studierte Skandinavistin.

Wir haben herausgefunden, dass du schon mal beim schwedischen Königshaus zum Kaffee warst. Was hat es denn damit auf sich?
Oh, lange Geschichte und vielleicht auch nicht ganz so spektakulär und glamourös, wie es klingt: Ich habe eine Freundin, die für ein großes Magazin geschrieben hat, auf die schwedische Insel Öland begleitet. Mein Job war damals, mit meinen Schwedisch-Kenntnissen den Kontakt zu den Protagonisten der Reportage aufzubauen und auch zu dolmetschen. Das hat auch alles gut geklappt, unter anderem saßen wir lange bei der Bürgermeisterin, die irgendwann fragte, ob wir vielleicht Lust hätten, sie am nächsten Tag zu einem Empfang auf der Sommerresidenz des schwedischen Königs zu begleiten. Zu diesem sommerlichen Nachmittagskränzchen waren 100 Insulaner eingeladen. Wir haben natürlich nicht Nein gesagt und standen am nächsten am Schlosstor, wo wir kurz die Hände des Königspaars schütteln durften. Königin Silvia hat sich ein paar Minuten zu uns gesellt. Es gab Kaffee und Kuchen im Garten und der Hund der Königsfamilie wuselte ständig um die Beine aller Gäste herum.

Klischeehaft für Frauenzeitschriften schreiben. Damit hast du angefangen. Wie kam es dazu?
Es war nie mein Ziel, irgendwas mit Medien zu machen, aber ich bin direkt nach dem Studium bei einer Agentur gelandet, die den Webauftritt einer großen Münchner Frauenzeitschrift betreut hat. So fing alles an, erst als studentische Aushilfe, dann plötzlich irgendwann Redakteurin. Das zog sich sehr viele Jahre bei vielen verschiedenen Verlagen so durch mein Jobleben. Eine schöne Zeit – aber nun dürfen auch neue Themen auf meinem Tisch landen.

„Mir hat Bier schon immer besser als Prosecco oder ein Longdrink geschmeckt.“

Erst das Schreiben, dann das Bier. Oder war es andersherum?
Gute Frage! Es war aber wohl tatsächlich das Schreiben, das erst da war. Auch wenn ich definitiv eine längere Zeit Biertrinkerin als Schreiberin bin. Mir hat Bier schon immer besser als Prosecco oder ein Longdrink geschmeckt. Mich mit dem Thema richtig auseinanderzusetzen, das war allerdings nie mein Ziel. Ein herbes Pils aus der Flasche, gut gekühlt – das war’s! Erst als die Biervielfalt immer größere Kreise zog und ich dann doch mal so ein Pale Ale und später ein belgisches Bier probiert habe, wurde mir klar, wie faszinierend (und schmackhaft) das Thema ist.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Bier-Guide zu schreiben?
Ich habe damals versucht, Anfängerlektüre zu finden für Leute, die sich mit dem Thema Craft Beer auseinandersetzen wollen. Ich fand allerdings nur Bücher, die für Fortgeschrittene geschrieben waren und eine Menge Wissen vorausgesetzt haben. Also habe ich beschlossen: Dann schreibe ich das eben selbst. Ich war (und bin auch heute noch) der Meinung, dass sich vieles viel besser erklären lässt, wenn man selbst noch einen geringen Wissenstand hat und sich auf die Reise begibt, um alles in Erfahrung zu bringen: von der Biergeschichte über die vielen verschiedenen Bierstile bis hin zum Beer-Food-Pairing. Und für diese Wissensreise habe ich mir verschiedene Experten gekrallt, die mir alles erklärten und später auch gegenlesen durften.

Wie viel Bier hast du denn probiert, bis du die besten Sorten gefunden hattest?
Oh, ich sehe mich da heute noch am Anfang, möchte zum Beispiel unbedingt noch Belgien bereisen, dessen Biere und Bierkultur als immaterielles Weltkulturerbe aufgenommen wurden. Und auch die USA reizen mich! Dort nahm die neue Bierkultur übrigens 1978, als das Heimbrau-Verbot durch Jimmy Carter aufgehoben wurde, ihren Lauf. Es entstanden kleine Craft Brewerys und somit irgendwann der Begriff Craft Beer. Hier sehe ich immer noch sehr viel Erklärungsbedarf – gerade in Deutschland. Craft Beer steht nicht für fancy Etiketten, einen bärtigen Brauer und Mango-Juice im Bier. Nein! Stattdessen handelt es sich eher um die Rettung und Weiterentwicklung der Biervielfalt, die wir vor langer Zeit hatten. IPA, Pale Ale, Porter – das sind alles Bierstile, die fast in Vergessenheit geraten wären, da Bier zum Industrieprodukt wurde und überall nur noch gleich schmeckte. Heute setzen zum Glück viele Brauer auf die verschiedenen Bierstile, experimentieren mit den klassischen Rohstoffen und vielleicht auch mal mit Früchten, Gewürzen, etc. Aber das fruchtige Aroma im IPA – das ist der Hopfensorte geschuldet, und die schokoladige Kaffeenote im Porter kommt vom Röstmalz.

Wirst du als blonde Frau manchmal komisch angeschaut, wenn du wie selbstverständlich ein Bier bestellst und nicht wie viele Frauen einen Weißwein?
In der Regel ernte ich keine komischen Blicke, aber das kommt selbstverständlich auf die Location drauf an. Wobei ich zugeben muss, dass ich heute oft darauf achte, in welche Bar ich gehe. Eine ordentliche Bierkarte ist schließlich fast ein Garant für einen gelungenen Abend. In Hamburg haben wir mittlerweile eine Vielzahl an guten Bars mit großer Bierauswahl, und dort ist es komplett selbstverständlich, dass Männer wie Frauen Biere wählen. Bier ist dann tatsächlich eher ein Getränk, das man genießt, und kein Durstlöscher.

„So stand ich da plötzlich und ich habe auch abfällige Kommentare kassiert.“

Hast du mit Vorurteilen zu kämpfen?
Als Bierbuch-Autorin passiert das, aber sehr selten. Gerade zu Beginn, als das Buch erschien, gab es bei dem ein oder anderen große Augen. Lag vielleicht aber auch daran, dass ich als kompletter Neuling im Bier-Thema mit dem Buch um die Ecke kam. Ohne Brauerin-Ausbildung, ohne Bier-Sommelière-Auszeichnung, ohne irgendeine nachweisbare bieraffine Vergangenheit. So stand ich da plötzlich und ich habe auch abfällige Kommentare kassiert. Aber mittlerweile kennen mich viele und schätzen meine Herangehensweise, sich unerschrocken einem komplexen Thema zu widmen, um es dann peu à peu aufzurollen, so dass jeder es versteht. Nur noch ganz selten stoße ich auf Vorurteile. Dazu muss man auch sagen, dass es viele tolle engagierte Frauen im Bier-Business gibt, die sich mit Leidenschaft als Sommelière, Journalistin oder Brauerin dem Thema widmen.

Eine Frage noch: Was macht denn deiner Meinung nach Bier zu einem weiblichen Thema?
Bier ist unglaublich vielseitig – die Zeiten, in denen es nur Pils mit ordentlich Bittere aus grünen Flaschen gab, sind vorbei. Stattdessen kann man sich, wenn sich drauf einlässt, auf eine faszinierende Entdeckungsreise begeben: Weltweit gibt es über 100 Bierstile. Die belgische Gueuze zum Beispiel ist feinperlig wie ein Champagner, ein Kriek wird mit Kirschen gebraut, ein New England IPA hat oft tropisch fruchtige Noten, ein Porter schmeckt nach dunkler Schokolade. Und so weiter und so fort. Es lassen sich über 2000 Aromen in Bier erschmecken und erriechen – das sind viel mehr als in Wein. Und diese Aromen zu erkennen, das fällt Frauen oft viel leichter als Männern.

Liebe Sünje, vielen Dank für das Interview. Prost!

Den ultimativen Bier-Guide von Sünje findet ihr auf den verschiedensten Plattformen, unter anderem hier: Thalia.de

Müllmode à la PinArt

Eher laut als leise, pompös und mit ganz viel Glamour. Wie sich Alice Francis seit Jahren durch die Musikgeschichte singt, für 2020 einen PinArt Kalender mit Vintageoutfits aus Müll präsentiert und die Welt dadurch ein kleines Stück grüner und gleichzeitig bunter macht.

Neben Alben, Shows, und Gesang bist du auch ganz anders aktiv, ziehst Kleidung aus Müll an und lässt dich darin fotografieren. Wie kam es dazu? Und wieso so sexy?
Nachdem unser Album 2012 erschienen ist und sehr erfolgreich war, sind wir auf Welt Tournee gegangen. Goldie und ich nutzten oft die freien Tage, um die Gegend und die Natur zu erkunden. Dabei ist uns von Jahr zu Jahr aufgefallen, dass Flüsse, Meere oder auch Wälder und Landschaften immer mehr vermüllt waren. Vor allem mit Plastikmüll. Goldie schlug vor, dieses Problem in einem unserer Musik Videos zu thematisieren. Er wollte die Kulisse aus Müll basteln und ich sollte die Kleidung aus Müll kreieren und diese auch tragen. Nachdem ich zunächst skeptisch war, freundete ich mich mit dieser Idee an und wir sammelten Müll aus dem Rhein und schossen das Video. 2017 brachten wir es heraus und bekamen viel Zuspruch. Das machte Mut und ich beschloss, das Thema nochmal enger mit meiner Leidenschaft für Vintage zu verknüpfen und Frauen der Historie darzustellen; in ihren legendären Posen und Outfits aus Müll gemacht. Nicht zuletzt, um auch meine Fans besser mit der Botschaft erreichen zu können. Ich wollte etwas Schönes kreieren, das Raum zum Nachdenken bietet, aber auch herausfordert. Pin-Up ist von Natur her sexy und leicht bekleidet. Das mit Müll und einem Umweltthema zu verbinden, nimmt die Hemmung und die Exklusivität des Themas. Man muss nicht Aktivist, Parteimitglied oder Uniprof sein, um sich mit dem Thema zu befassen. Die Idee zum Kalender hatte die Vintage Fotografin Sarah Tröster.

Jetzt konkret #zerowastepinart: was verbirgt sich hinter Müllmode? Ist das nicht eigentlich auch ein wenig ekelig, sich Müll von der Straße anzuziehen?Es war überaus eklig, ja. Mein ganzer Garten war vermüllt, als wir das Musik Video vorbereitet haben. Der stank auch. Aber es geht nicht um Müllmode oder Recyceln und ich bin auch keine Designerin, die jetzt eine Müllkollektion herausbringt. Die Figuren sind das Kunstwerk an sich. Es sind starke Frauen der Historie, die für etwas stehen. Sie haben oft ihr Leben für ihre Überzeugung riskiert oder gar gelassen. Wie bspw. Josephine Baker, die als Spionin arbeitete, so auch Mata Hari, die letztendlich hingerichtet wurde. Auch Marie Antoinette ist der Guillotine zum Opfer gefallen. Marlene Dietrich hat ihre Heimat wegen den Nationalsozialisten verlassen. Diesen Figuren gebe ich in meinen Kunstwerken eine neue, dringliche Aussage. Sie werden zum Leben erweckt, um die Menschen auf das Problem aufmerksam zu machen.

Deine Leidenschaften: Vintage, Retro, Musik und Kleidung aus Müll. Das ist ganz schön viel. Was ist dein Ausgleich?
Würde ich 8 Stunden täglich in einer Bank arbeiten, bräuchte ich dringend einen Ausgleich. Meine Tätigkeiten sind vielseitig, bereichernd und erfordern  immer neue Aktivitäten. Gerade war ich mit dem Unterwasser Fotografen Sebastian Lange für das zerowaste PinArt Projekt in Ägypten und habe Free Diving für die Fotos gemacht. War etwas ganz Neues für mich und auch sehr spannend und herausfordernd, da ich mich nicht als gute Schwimmerin bezeichnen würde. Diese Art von Herausforderungen nehme ich gerne an. Meine Aktivitäten sind der Ausgleich an sich.  

„Was man aus Müll macht, bleibt jedem selbst überlassen.“

Lehnst du dich nicht etwas aus dem Fenster, wenn du mit Müllmode die Welt ein wenig „grüner“ machen möchtest?
Mit meinem #zerowaste PinArt Projekt möchte ich mich künstlerisch ausleben und dabei die Menschen zum Denken anregen. Was jeder daraus macht, bleibt ihm überlassen. Aber ich hoffe, einen kleinen Beitrag leisten zu können, eine Industrie von Konsum und Umweltverschmutzung zu ändern.

Sich öffentlich gegen den Konsum und die Verschwendung zu richten, ist mehr als löblich. Aber ist das auch für dich im Privatleben umsetzbar? Stößt du da nicht auch viel auf Kritik?
Ist für mich teilweise möglich. Gerade mit meinem Leben aus dem Koffer, kann ich nicht immer einen Unverpacktladen aufsuchen. Es gibt viel zu wenige davon. Viele Kioske verkaufen keine Glasflaschen, sondern nur Plastik. In Amerika habe ich 4* Hotels gesehen, die ihre Mahlzeiten auf Einweggeschirr mit Einwegbesteck (nochmal extra eingeschweißt) servieren. Das ist Wahnsinn. Aber ich versuche, was ich kann. Kein Take Away Essen, sondern vor Ort essen oder eine Schüssel mitbringen. Glasflasche im Haushalt statt Plastikflaschen. Lieber einmal hochwertige Gegenstände kaufen statt Plastik Imitate, die eine geringe Lebensdauer aufweisen. Generell lieber wiederverwendbare Sachen. Reparieren statt wegschmeißen.
Kritik habe ich bisher keine bekommen; im Gegenteil, die Menschen sind total begeistert und fühlen, dass man ihnen aus der Seele spricht. Das zeigt: jeder sieht es, jeder weiß es und jeder ist besorgt, aber der Einzelne an sich kann es meiner Meinung nach nicht alleine ändern, die Industrie und Wirtschaft muss sich ändern.

Von einer verrauchten Jazzspelunke zu einem sexy PinArt Projekt. Das gibt es 2020 jetzt auch als Kalender zu kaufen. Der Kalender war ein richtiges Herzensprojekt von dir, oder?
In dem Kalender kann ich mich austoben, kreieren, eine Message rüberbringen. Ich habe sehr viel Herzblut reingesteckt, so auch Goldielocks und die Fotografin Sarah. Wir wurden viel von unseren Freunden unterstützt, die alle in dem Musik Video mitgewirkt haben wie bspw. die Choreographin Brigitte Breternitz, Tänzerin Elke Waibel oder Musiker Doc Dondo. Andere haben beim Layout des Kalenders geholfen; die Bodypainting Künstlerin Daniela Schatz aus München war mit Leib und Seele dabei wie auch die Designerin Katharina Kraft aus Halle. Die Königsdruckerei in Berlin hat uns ebenfalls sehr unterstützt. Es ist ein tolles Projekt geworden, was sehr viel Spaß bereitet und meine Sicht auf die Dinge verändert hat. Es hat mich sogar näher zu mir selbst gebracht. Dinge haben einen anderen Wert für mich erhalten und ich möchte mich weniger mit Konsum ablenken.

Außer Kunst und Musik: Woher bekommst du deine Inspiration? Hast du eine abgefahrene Sammelleidenschaft, gehst auf Flohmärkte oder googlest du einfach?
Ich liebe Flohmärkte, das ist Bummeln und Entdecken für mich. Ich habe nicht oft Zeit, aber wenn ich kann, mache ich das gerne. Auch Second Hand Kleiderschränke von Verwandten oder Omis von Freunden durchstöbere ich gern. Original 20er Jahre Kleidung ist oft schwer zu bekommen und auch empfindlich, daher greife ich auch auf Replika zurück oder nähe mir selbst etwas. Inspiration gibt es überall, vor allem wenn man viel reist.

Danke, liebe Alice, für deine ehrlichen und spannenden Antworten. Den PinArt Kalender des #zerowaste Projekts gibt es übrigens hier: https://www.alicefrancis.de/shop

Die Lady des Elektroswings

Eher laut als leise, pompös und mit ganz viel Glamour. Wie sich Alice Francis seit Jahren durch die Musikgeschichte singt, für 2020 einen PinArt Kalender mit Vintageoutfits aus Müll präsentiert und die Welt dadurch ein kleines Stück grüner und gleichzeitig bunter macht.

Künstlerin, Sängerin, Designerin, Model. Das ist aber ganz schön viel. Wer oder was verbirgt sich hinter dem Namen: Alice Francis?
Hi No Regrets, danke für die vielen spannenden Betitelungen. Alice Francis ist mein Name  und gleichzeitig auch der Name unserer Band, die aus Goldielocks, Chul-Min Yoo und mir besteht. Mit diesen beiden Herren toure ich weltweit und wir versuchen, den Glanz der 20er mit Hip Hop und Elektronik gemischt als Neoswing auf die Bühne zu bringen. Als Designerin und Model würde ich mich nur hobbymäßig bezeichnen. In meiner Freizeit mache ich zerowaste Kunst.

Was verbirgt sich hinter Miss Flapperty?
Flapper wurden die Frauen aus den 20er Jahren genannt, die nicht dem klassischen Frauenbild entsprachen. Sie waren wild, tanzten in Speakeasies, rauchten und trugen kurze Haare und manchmal auch Männeranzüge. Das sorgte für Provokation und brachte ihnen diesen nicht ganz ernst gemeinten Namen, der so viel heißt wie ‚Flattrigkeit’, ‚Unbeständigkeit’. Die Endsilbe bei Flapperty kommt von Liberty, Freiheit. Beides Dinge, mit denen ich mich identifizieren kann.

Angefangen hast du als Sängerin. Wie bist du auf Swing und Jazz gekommen?
2006 habe ich einen Produzenten namens Johann Niegl kennen gelernt. Er produzierte Beats, die viele Jazz und Swing Einflüsse hatten. Er verbaute auch Samples, die nach Vintage und 20er Jahre Charleston klangen; aber alles in einem modernen und hip hoppigen Gewand. Das gefiel mir sehr und meine Kreativität sprudelte. Ich sang automatisch Jazz und Swing Linien dazu. Nachdem ich es Goldielocks zeigte, war er total begeistert und wollte es ausprobieren. Das tat er und so entstand unser erstes Album, welches wir 2012 über Universal Germany herausbrachten. Als Kind habe ich die Jazzplatten meines Vaters angehört und ich war verliebt in Schwarz-Weiß-Filme; daher kam sicher viel Einfluss.

„Vintage und 20er, aber alles in einem modernen und hip hoppigen Gewand.“

Wir wissen, dass du in Rumänien geboren bist und deine ersten paar Lebensjahre auch dort verbracht hast. Wie hat dich deine Herkunft geprägt?
Meine Großeltern hatten Pferde, Schweine, eine Kuh, Hühner usw., es gab kein fließend Wasser und nur ein Plumpsklo. Dort bin ich geboren und aufgewachsen, bis ich 5 Jahre alt war. Gewaschen wurde sich im Fluss. Wir haben alle unter einem Dach gelebt. Großeltern, meine Onkels und Tanten, mein Cousin und die Tiere im Hof. Das Leben in Deutschland war plötzlich luxuriös, shiny, unabhängig und es gab alles. Auch jetzt, seit wir touren, residieren wir in den schönsten und komfortabelsten Hotels, werden in tolle Restaurants eingeladen und haben alles, was wir brauchen und noch mehr. Trotzdem freue ich mich sehr wenn ich Zeit auf dem Bauernhof meiner Mutter in Rumänien verbringen kann, ganz simpel mit viel Natur, Matsch, eigener Herstellung und Tier-Gewusel Drumherum.

War es damals schon dein Traum, Sängerin zu werden und Vintagekleider zu tragen?
Als Kind wollte ich immer Opernsängerin werden. Meine Vintageleidenschaft hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Ich habe das von meiner Mutter übernommen. Sie hatte schon immer eine Leidenschaft für Vintage und Antiquitäten, die sie über Jahrzehnte gesammelt hat. Das hat mich fasziniert. Ich habe dann begonnen, alte Radios und alte Kimonos zu sammeln und mich auch für Mode, Stile und Kunst aus früheren Zeiten zu interessieren. Das alles habe ich dann mit modernen Elementen kombiniert. So machen wir es auch mit der Musik.

Was genießt du an den 20er Jahren so besonders?
Die 20er haben den wirtschaftlichen Aufschwung gebracht, die Emanzipation der Frau gestärkt, es ist viel in der Kunst passiert und das neue Medium Film hat sich bspw. etabliert. Das alles wirkte sich meines Erachtens auf Musik und Stil aus. Die Musik schien wild und sehr aufwendig geschaffen. Tolle Arrangements, musikalisch anspruchsvoll; viel Orchester, viel Live Musik. Die Musik brachte verrückte Swingtänze mit sich. Das alles ist sehr befreiend für mich; loslassen können. Viele Umgangsformen gefallen mir an den 20ern, die Mode und die Architektur und das Artdeco. Ich mag die Eleganz, die Klasse und den Effort.  

Ist das 100-jährige Jubiläum dieser Goldenen Zeit etwas Besonderes für dich?
Abgesehen davon, dass ich eine große Party auf unserem Schloss in Rumänien schmeißen wollte an Silvester, um die neuen 20er zu feiern, stimmt mich dieses Datum auch nachdenklich. In 100 Jahren hat der Mensch seine Umwelt drastisch verändert. Der Wirtschaftsaufschwung ist zu einem Wirtschaftsdesaster geworden. Konsumwirtschaft regiert die Welt und zerstört unsere Umwelt.

Fortsetzung folgt…

Erlebe deinen Baileys x HENRI Hotel Genussmoment

Das vergangene Jahr war anstrengend?  Wir schenken dir Zeit für dich. Gönn dir deine Auszeit…

…zusammen mit deinem Lieblingsmenschen. Baileys Chocolate macht jetzt gemeinsame Sache mit den HENRI Hotels und ermöglicht dir den perfekten Genussmoment in deiner Lieblingsmetropole. Ob Düsseldorf, Berlin oder Hamburg – du hast die Wahl. Gewinne eines von 10 Wochenenden in einem HENRI Hotel für zwei Personen. Registriere dich jetzt und mach dich bereit für eine unvergessliche Auszeit, die du nicht bereuen wirst – no regrets.

Hamburg: Das HENRI Hotel: Hotspot der Hansestadt, gelegen zwischen Binnenalster und Speicherstadt. Das erste HENRI Hotel überhaupt ist dein Hideaway mitten im Herzen Hamburgs. Erlebe Shopping, Kiez und Hafen und genieße das lässige Ambiente in der schönsten Stadt der Welt. Das HENRI Hotel Hamburg ist dein Rückzugsort im Großstadttrubel.

Düsseldorf: Das Düsseldorfer HENRI Hotel verzaubert im Look der wilden Siebziger und  mit einem unverkennbaren Design im lässigen Charakter. Egal, ob du als Businesswoman ein Wochenende die Kö genießt oder deine beste Freundin für einen Mädelstrip samt Altbier im Gepäck hast – hier findest du das perfekte home away from home.

Berlin: Nach einem langen Tag in der Hauptstadt die Füße hochlegen? Dann bitte mit Style: Im Berliner HENRI Hotel trifft Belle Epoque auf modernen Stil. Entspanntes Ambiente unschlagbar zentral gelegen. Ob Zoo, klassische Sehenswürdigkeiten, Shoppen am Ku’Damm oder Eveningdrinks in Kreuzberg: Danach kehrst du ins HENRI Hotel zurück und dir kommt das vertraute Gefühl entgegen, bei Freunden zu Hause zu sein.

Na, Lust bekommen? Du siehst, wir haben für dich und deine Auszeit gesorgt.

Registriere dich bis zum 30. April 2020 und gewinne deinen Genussmoment in dem HENRI Hotel, das am besten zu dir passt.

Jetzt registrieren.

Schenken 2.0 – Gönn‘ dir deinen Genuss

… besonders in der stressigen Vorweihnachtszeit. Schokolade ist purer Selbstgenuss, nicht nur zur Weihnachtszeit verführerisch. Wir schicken dir ein kleines, fein verpacktes Genusspaket mit Baileys Truffles. Einfach, unkompliziert und mit einer unserer coolen Grußkarten. 

Die Botschaft: No Regrets, was sonst. Als Aufmerksamkeit für die beste Freundin, die Mama, die dir immer den Rücken frei hält oder ganz für dich. Was dich das alles kostet? Nicht mehr als einige Minuten Zeit, darüber nachzudenken, ob du dir damit selbst eine Freude machen willst oder lieber gleich einen Stift aus dem Köcher ziehst, um die Karte zu beschreiben.

Wer sich bis zum 05. Dezember 2019 registriert, kann die Woche drauf mit dem Paketboten rechnen. Genuss verschenken? Gerade zur Vorweihnachtszeit funktioniert Schokolade wie am Schnürchen.

Wir haben 300 Päckchen gepackt. Was weg ist, ist weg. Hier wählst du einfach aus, welche Karte wir deinem leckeren Päckchen beilegen sollen. (Solange der Vorrat reicht. Sollte dein Wunschmotiv nicht mehr verfügbar sein, wählt die Redaktion ein Motiv für dich aus.)

 

Jetzt registrieren.

Vintage Style – Not Vintage Values

Geschmackvoll, was Foodbloggerin Caro von Frau Herzblut da trägt. Aber sieht so kompromissloser Genuss aus? Der Stil atmet doch eher die muffige Luft biederer Rollenklischees, oder? Weit gefehlt. „Vintage Style not Vintage Values“, kontert Caro und bringt den Mut zur zeitlosen Eleganz gegen die langweilige Massenuniformierung unserer Tage in Stellung. Na, Herzblut geleckt? Steht alles im Interview. Hollywoodschinken und Veilchentorte, Swing und Jazz kommen auch vor – gehört wird aber nur von Vinyl, damit das mal klar ist.

Sollen wir dich Frau Herzblut nennen oder gefällt dir Carolin, wie du mit bürgerlichem Namen heißt, dann doch besser?

Ganz klar Carolin. Denn neben meinen Blog „Frau Herzblut“ tue ich ja noch ganz viele andere Dinge – u.a. bin ich gelernte Fotografin, studierte Designerin und Foodstylistin.

Du bist professionelle Fotografin und kommst aus der klassischen Werbung. Wie wurde aus der Businessfrau Carolin Strothe der Genusssmensch Frau Herzblut?

Businessfrau und Genussmensch schließen sich auf keinen Fall aus  – klassische Werbung trifft es nicht unbedingt. Bei mir war es eher eine Mischung aus Editorial Design, Publishing, Corporate Design und Marketing.
Die Liebe zu gutem Essen, Kochen und Backen wurde mir bereits in die Wiege gelegt. Denn ich bin in den Gärten meiner Eltern und Großeltern aufgewachsen. So habe ich schon ganz früh gelernt, wie eine von der der Sonne gereifte, frisch geerntete Erdbeere oder Tomate schmecken. Meine Großmutter hat mir das Kochen früh beigebracht. Über die Jahre sind dann immer mehr Ideen und Rezepte entstanden, die ich seit 6 Jahren u.a. auf meinem Blog teile.

Essen und Genuss waren schon immer ein besonders enges und glückliches Paar – das heute aber gleichzeitig seine naive Unschuld verloren hat. Wie wir uns ernähren, ist rechtfertigungsbedürftig geworden. Sind die Genusszeiten vielleicht schon bald vorbei?

Es gibt heute wesentlich mehr Menschen als noch vor 40 oder 50 Jahren, die sich viel mehr Gedanken über ihre eigene Ernährung machen. Vielleicht machen sich einige auch etwas zu sehr verrückt oder schieben sämtliche Malessen auf eine ungünstige Ernährung. Genauso gut gibt es sicher Menschen, die einfach gern dem guten Essen fröhnen. Ernährung hat Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Daran besteht heute aus wissenschaftlicher Sicht kein Zweifel mehr. Dass sich Genuss und gesünderes Essen nicht ausschließen, zeige ich zusammen mit meinem Mann in unserem Backbuch „Einfach natürlich backen“.

„Wie schon Paracelsus sagte, macht bekanntlich die Dosis das Gift.“

Vor allem deine Süßspeisen von Torten bis Eiscreme lassen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen, sind aber eindeutig nichts für die Diätküche. Wie schafft Frau es, diese köstlichen Kunstwerke guten Gewissens zu genießen?

Wie schon Paracelsus sagte, macht bekanntlich die Dosis das Gift. Unter der Woche greife ich am liebsten zu gesunden Snacks wie Gemüse, Obst und Nüssen. Kuchen und Torten sind vor allem etwas zum Genießen und Teilen mit Familie und Freunden für das Wochenende. Dazu kommt, dass ich schon sehr lange für meine Rezepte keinen weißen Industriezucker verwende und alternative Süßungsmittel wie Vollrohrzucker mit Bedacht einsetze. Außerdem liebe ich es, mit alten Getreidesorten wie Dinkel, Emmer oder Einkorn (alle drei sind übrigens Weizenarten) sowie saisonalem Obst zu backen. Damit sind meine süßen Rezepte vollwertiger und nicht so süß wie konventionelle Kuchen oder Torten.

Essen und Kochen sind deine Leidenschaften. Aber da ist ja noch mehr… Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Am ehesten als eine Mischung aus 1930er und 1940er. Sicher auch etwas 1950er. Besonders dogmatisch bin ich damit nicht. Insgesamt inspiriert mich die gesamte Swingära, da ich Lindy Hop tanze, Swingmusik liebe und gern alte „Hollywoodschinken“ schaue.

Die Zeit, für deren Stil und Mode du dich begeisterst, steht für eine klare, ultrakonservative Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau. Was bringt eine moderne, selbstbewusste und erfolgreiche Frau dazu, sich ausgerechnet diesen Stil zum Vorbild zu nehmen?

Vintage Style, not Vintage Values. Bereits ab den 1920ern gab es jede Menge selbstbewusste Frauen, die einen liberalen, gleichberechtigen Lebenstil und Haltung vertraten. Ein gutes Beispiel dafür ist sicher Katherine Hepburn. Ihre hoch geschnittenen und weiten Hosen waren irgendwie auch Ausdruck für eine selbstbewusste und mit Männern gleichgesetzte Person. Das sieht man auch gut an den weiblichen Figuren in einigen Hollywoodfilmen dieser Zeit. Zudem habe ich das Gefühl, dass diese konservative Rollenaufteilung auch nur in den 1950ern noch einmal eine kleine Renaissance erlebte. Genau dieses Bild haben vielleicht einige Menschen im Kopf, wenn sie an Vintage denken.
Ich liebe am Vintagestil vor allem die zeitlose Eleganz. Diese vermisse ich in Zeiten der Massenuniformierung und des Verschwindens von Subkulturen.

„Vintage Style, not Vintage Values.“

Hast du wirklich gar keine Angst, ein reaktionäres Frauenbild zu bedienen und vielleicht auch Zuspruch von der falschen Seite zu erhalten?   

Nicht wirklich. Viele Konservative finden das sogar komisch (siehe die britische Chap-Bewegung – die Nachfolger der Dandys). Wer sich einmal Milieustudien wie Sinus oder Sigma ansieht, wird schnell erkennen, dass Vintageelemente von liberalen und experimentierfreudigen Gruppen geschätzt werden. Diese setzen Vintagestyle und Retromode in neue Kontexte.

Gibt es eigentlich auch Leute, die generell ein Problem damit haben, wie du dich kleidest bzw. dass du ganz offen deinen Retro-Stil pflegst? Oder kommst du nie wirklich in die Verlegenheit, dich entschuldigen oder zumindest dafür rechtfertigen zu müssen?

Ganz im Gegenteil. Relativ häufig werde ich auf der Straße von wildfremden Menschen angesprochen, die meinen Stil sehr mögen und gut finden. Viele davon geben manchmal zu, dass sie sich auch gern individueller stylen würden und es sich jedoch nicht trauen. Manchmal ist es etwas ulkig, wenn mich Menschen den 1960ern oder 1970ern zuordnen. Da heißt es dann: „Hey, du machst doch einen auf 1960er. Cool!“ …

Brauchst du als Foodbloggerin heute auch in Mode- und Lifestylefragen einen eigenen Stil, um dich bei der starken Konkurrenz durchsetzen zu können? Überspitzt gefragt: Sollten die Rezepte nicht vielmehr für sich sprechen?

Nicht zwingend. Dennoch kann es hilfreich sein, mit einem individuellen Stil ganz bestimmte Assoziationen und Bilder in den Köpfen der Menschen aufzubauen oder ein bestimmtes Narrativ damit zu bedienen. Am Ende funktioniert ein „Influencer“ ja auch als Marke, die für eine ganz eigene Bedeutungswelt steht.

Haben wir noch etwas Wichtiges vergessen, das wir dich unbedingt hätten fragen sollen?

Vielleicht, ob ich den ganzen Tag nur Swing und Jazz höre. In der Tat hören wir Zuhause bis auf ein wenig Radio (der Nachrichten halber) viel Swingmusik: natürlich stilgerecht von Platte.

Danke dir für das erfrischend ehrliche Gespräch.

www.frauherzblut.de

Wer fühlen will, muss hören

Eine gute Idee, eine große Portion Selbstvertrauen, und keine Angst vor schwer zu überwindenden Tabus: Mit ihrem Portal femtasy stellt Nina Julie Lepique die männliche Pornowelt auf den Kopf. Schmuddelfilmchen gibt es bei ihr nicht, denn Frauen funktionieren anders. Wie genau, warum Hören dabei viel wichtiger ist als Sehen und was das alles mit körperlicher Selbstliebe zu tun hat, das hat Nina uns im Interview erzählt.

Das Motto unseres Blogs lautet „Das Magazin für Frauen, die sich für nichts entschuldigen“. Kannst du dir vorstellen, warum wir uns wahnsinnig auf das Interview mit dir gefreut haben?

….so gar nicht 😉

Wie kommt man eigentlich mit 24 auf die Idee, eine Plattform für erotische Hörgeschichten zu gründen?

Ach, das ist gar nicht sooo abwegig. Zunächst einmal habe ich einen sehr offenen Freudeskreis. An einem unserer gemeinsamen Abende, an denen wir uns immer ausgelassen über alles Mögliche unterhalten, kam auch das Thema Sex und Erotik auf. Es wurde schnell klar, wie unzufrieden viele meiner Freundinnen mit dem Angebot an erotischen Inhalten waren: zu schmuddelig, zu visuell, zu wenig auf Frauen ausgerichtet. Da hat es bei mir „klick“ gemacht und ich habe mir gesagt: „Das kannst du ändern.“ Als ich dann noch ein Interview mit einem sehr bekannten, deutschen Sexualforscher gelesen habe, der sagte, dass Frauen viel weniger visuell orientiert seien als Männer, war die Idee für femtasy geboren: Frauen wollen Sex-Geschichten viel lieber hören statt sehen!

Was erwartet die Frauen, die sich auf femtasy in ein erotisches Abenteuer stürzen wollen? „Shades of Grey“ oder eher… ?

Erotische Tonaufnahmen jeglicher Couleur – von sanft bis derb, von homo bis hetero, von wertschätzend und umschreibend bis ganz konkret und heiß. Jede Frau ist anders, also bieten wir für jeden Typ und jede individuelle Phantasie die perfekte Aufnahme. Halbe Sachen funktionieren da nicht und vor allem gibt es keinen Grund, sich für ganz private Vorlieben zu schämen oder komisch zu fühlen. Ganz im Gegenteil: Wir sollten es uns viel öfter so richtig gut gehen lassen und unsere eigene Sexualität in vollen Zügen genießen.

Was hat eigentlich deine Familie dazu gesagt, dass du mit „Pornos für die Ohren“ Karriere machst? Die Frage zielt natürlich darauf ab, ob du dich oft rechtfertigen musst, für das was du tust?  

Ha, die Frage habe ich erwartet. Ihr seid nämlich nicht die Ersten, die das interessiert. Ich habe, entgegen der Erwartungen vieler Menschen, fast ausschließlich positive Reaktionen und Kommentare erhalten. Ein Grund dafür ist, dass die Gleichstellung von Mann und Frau quer zu allen gesellschaftlichen Bereichen endlich die breite Aufmerksamkeit bekommt, die so wichtig ist, um Veränderungen anzustoßen. Mit femtasy ein kleiner Teil davon zu sein, macht mich schon ein wenig stolz. Wir bekommen als Team hinter femtasy auch wirklich viel Zuspruch – übrigens auch von vielen Männern.

Pornos wurden und werden in der Regel noch immer überwiegend für Männer gemacht. Die Dialoge sind dabei an – sagen wir – Schlichtheit oft kaum zu überbieten. Ihr dreht den Spieß um. Braucht der weibliche Genuss vielleicht einfach mehr Worte statt noch mehr Bilder?

Nicht immer – weibliche Sexualität ist nicht per se „komplizierter“ oder eloquenter als die männliche Sexualität. Doch sie lebt viel stärker von der Fantasie als von der Visualität. Unsere Bilder entstehen im Kopfkino und das wird über gehörte Geschichten einfach viel intensiver angeregt als über schon mitgelieferte Bilder, die uns zeigen, was wir sehen sollen. Wir sind die Regisseurinnen. Jede von uns dreht ihren ganz eigenen Film.

Es gibt das lustige Klischee, dass Frauen, die Telefonsex anbieten, Pullis stricken oder Tee kochen, während der Mann am anderen Ende der Leitung Richtung Gipfel marschiert. Wird bei Euch im Tonstudio auch gestrickt und Tee getrunken? 

Haha! Nein… bei uns gibt es – anders als bei den meisten Sexhotlines übrigens 😉 – keine „festen Arbeitszeiten“ für unsere Sprecher/innen. Die sollen ihre Texte nämlich nur dann einsprechen, wenn sie wirklich in der richtigen Stimmung sind… Authentizität ist uns total wichtig.

Eine gesunde Selbstliebe – auch die körperliche – ist doch das Natürlichste auf der Welt. Hat eure Umfrage unter 1.500 Frauen Euch verraten, warum das Thema gerade bei Frauen noch immer ein Tabu ist? Oder ist es das gar nicht?

Doch, schon. Nur knapp 40 Prozent der Frauen sprechen mit engen Freundinnen oder ihrem Partner über Selbstbefriedigung. Das ist ein erstaunlich kleiner Teil, wenn man bedenkt, dass unsere Umfrage auch ergeben hat, dass sich im Schnitt 9 von 10 Frauen selbst befriedigen.

„Count your orgasms. Not your calories.“

Von sanft über intensiv bis hardcore bietet ihr inzwischen über 100 verschiedene Fantasien an. Die Stories schreibt ihr aber nicht alle selbst, oder? Woher kommen die Ideen und die Sprecher/innen, die all die Geschichten einsprechen?

Wie schon angesprochen, ist uns Authentizität extrem wichtig. Die Geschichten entstehen deshalb auch nicht am Reißbrett. Tatsächlich basieren alle Hörspiele auf tatsächlichen Erlebnissen oder echten Fantasien von echten Frauen – wir haben eine ganze Reihe an tollen Autorinnen, die über Themen schreiben, die sie sich selbst aussuchen. Bewerben kann sich bei uns übrigens  jeder/jede als Sprecher/in oder Autor/in.

Moment, braucht man/frau dafür nicht ein gewisses Talent, zumindest aber ein erotisches Timbre in der Stimme?

Wer gut ankommt und auf femtasy einen Platz bekommt, entscheiden bei uns vor allem unsere Nutzerinnen. Insofern: einfach ausprobieren!  Die Bewerbung selbst ist dann wirklich superleicht. Auf unserer Seite kann sich jeder als Sprecher/Sprecherin oder als Autor/Autorin bewerben. Über einen Auswahlprozess gelangt ihr dann in unseren „Lieblingsstimmen“- und Super-Texter-Kader 😊 Alle Aufnahmen und Geschichten, die wir vertonen, stammen zu 100 Prozent aus unserer eigenen Produktion.

Hast du einen abschließenden Rat an all die Frauen, denen es schwer fällt, sich selbst frei und ohne eigene Scham zu genießen?

Einfach fallen lassen – auch wenn es zuerst schwer fallen mag. Nimm dir Zeit für dich selbst und gib dir die Chance, dich selbst zu erkunden, dich auf eine Reise zu begeben und Neues zu entdecken. Unsere Aufnahmen helfen sicherlich auch dabei, die eigene Fantasie zu entfalten und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Es kann auch helfen, wenn du dich selbst in eine ganz andere Welt träumst – vielleicht sind dort Dinge für dich möglich, die du dir im realen Leben gar nicht zugetraut hättest? 🙂

Dank dir für das erfrischend ehrliche Gespräch.

www.femtasy.com