Erfolgreich sein mit den Waffen einer Frau

Kampfchoreografin Katrin Klewitz weiß, wie sich Frauen richtig zur Wehr setzen und für ihre Sache einstehen. Im Einklang mit Körper und Geist, Mensch, Tier und Natur erweckt sie die in uns schlummernde Kämpferin und bildet sie zu Siegerinnen aus.

Liebe Katrin, du hast so viele Berufsbezeichnungen, wie würdest du dich selbst beschreiben?
Oh, tatsächlich schwierige Frage. Vielleicht Brückenbauerin zwischen verschiedenen Welten, Mittelsfrau, Vermittlerin und gleichzeitig Sicherheitspersonal. Zentral ist, dass ich mich in allen meinen Berufsbildern immer in einer vermittelnden und sichernden Position zwischen mindestens zwei Parteien befinde. Ich bin gleichzeitig in einer lehrenden Funktion tätig, biete Transferleistung für Körper, Geist und Hirn und gehe vorneweg.

Welche dieser Berufe ist für dich der schönste und warum?
Meine Tätigkeit als Guide im Verbund mit Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung.  Zu sehen, wie Menschen über ihre Grenzen hinauswachsen, lernen mit ihren Emotionen gewinnbringend zu arbeiten, zu sich zurückkommen und aus der eigenen Kraft herausarbeiten und zu erleben, wie die Natur ihr Übriges dazu tut, ist sehr erfüllend für mich. Daran Anteil haben zu dürfen und dabei so viel Vertrauen von anderen Menschen entgegen gebracht zu bekommen – im Busch vertrauen sie mir ja auch ihr Leben an – bedeutet mir viel.

Wie “vertragen” sich deine vielfältigen Beschäftigungen miteinander?
Seit ich nicht mehr selbst mit mir im Clinch liege, „dass ich mich doch jetzt bitte mal gefälligst für eine Sache entscheiden soll“, ganz gut. Die verschiedenen Facetten meiner Tätigkeiten ergänzen sich und wie gesagt, es gibt diesen einen Kern, die Vermittlung, in dem alles zusammenläuft. Hat nur ein bisschen gedauert, bis ich das selbst kapiert hab.

Was ist eine Kampfchoreografin und wie wird man das?
Eine Kampfchoreografin ist verantwortlich für die Kämpfe im Theater-, Film- und Fernsehbereich. Und das von der Ohrfeige über Messerkampf bis hin zum Einsatz von Schwert und Schild. Die Psychologie des Charakters und das Storytelling des Kampfes spielen dabei ebenso eine Rolle wie den Schauspielern den richtigen, schnellen und präzisen Umgang mit den Waffen beizubringen. Schwerpunkte sind die Sicherheit der Akteure (physisch wie psychisch) und des Publikums (nicht, dass ein Messer in Reihe drei auf der Abonnentin Frau Meier landet) sowie eine glaubhafte Darstellung des Kampfes. Um das zu erreichen, gehört nicht zuletzt der richtige Einsatz der Stimme dazu und ein geübter Umgang mit Emotionen und Adrenalin.

Dafür benötigt man als erstes eine Schauspiel- oder Regieausbildung, im Anschluss dann ein spezielles Training und die Prüfung in acht Waffengattungen, wovon man mindestens fünf mit Auszeichnung bestehen muss. Hier braucht es eine langjährige Assistenzzeit, Fechttraining und Kampfsport sind vonnöten. In Deutschland ist der Beruf aber weder großartig bekannt noch gibt es bis jetzt eine solide Ausbildung in dem Bereich. Da muss man dann ins Ausland. Noch. Denn meine großartigen Kollegen im Kampfchoreografenverband bemühen sich derzeit sehr darum, dass es zukünftig auch in Deutschland durchgängige Ausbildungsmöglichkeiten für diesen spannenden Beruf gibt.

Wie sieht dein beruflicher Alltag aus?
Sehr unterschiedlich, je nachdem, in welchem meiner Berufsfelder ich gerade vermehrt aktiv bin. Aber eines ist tatsächlich jeden Tag gleich: Die Routine aus einem klein wenig Morgensport, manchmal mehr/manchmal aber auch weniger, aber immer in Kombination mit einer Tasse mit gutem Kaffee und viel Tee.

Dann sitze ich entweder am PC und bin mit Vorbereitungen und Schreiben beschäftigt oder ich bin unterwegs. Gerade wäre ich eigentlich mit drei Gruppen auf Reisen in Afrika durch den Busch, vorbei an Elefanten, Nashörnern und Vögeln. Aber da gerade ja bedingt durch Covid-19 alles anders läuft, stehe ich in meinem Wohnzimmer und unterrichte in Videokonferenzen „Ohrfeigen und Punchtraining“. Gegenüber von mir ist ein Kindergarten, die Kinder und Erzieher werden sich auch jeden Tag denken, was ist das für eine komische Frau, die den ganzen Tag mit der Luft boxt.

Wie verträgt sich das mit deinem Privatleben?
Es gibt immer zwei Seiten. Zu anfangs waren die Umstellungsphasen, nachdem ich länger in Afrika war, ein wenig schwierig, aber das pendelt sich ein. Inzwischen empfinden mein Mann und ich auch die Zeiten der Trennung mehr und mehr als eine Bereicherung. Jeder hat Zeit, sich auch für sich zu entwickeln, und so begegnen wir uns immer wieder neu. Andererseits zehren die Trennungen natürlich manchmal auch an einem.

Wie kann dein Wissen anderen im Leben weiterhelfen? 
Ich biete Anleitung, wie wir standhafter, krisensicherer werden und Konflikte als Wachstumschance betrachten können. Dabei ist es mir wichtig, nicht irgendwelche Mindset-Phrasen zu dreschen, sondern klare Anleitung und Wissen „to go“ mitzugeben. Simple Hacks, die im Alltag einen Unterschied machen, der sofort zu sehen und zu spüren ist. Oft sind es nur Kleinigkeiten, derer wir uns bewusst werden müssen, um eine andere Wirkung, einen anderen Ausgang zu erzielen. Mir ist es wichtig, mich als Coach schnellstmöglich abzuschaffen, so dass meine „Kunden“ auch ohne mich zurechtkommen, denn dann habe ich gute Arbeit geleistet.

Wieso ist dir das Thema so wichtig?
Wir lernen im Leben, in der Schule so viel, aber nicht, wie wir uns selbst handhaben. Ich möchte Rüstzeug mit auf den Weg geben, wie wir mit all den großen und kleinen Schlachten, Emotionen und Herausforderungen im Alltag umgehen, damit gedanklich Kapazität für andere Dinge frei werden kann. Damit wir mutig durch die Welt gehen können. Ich möchte Menschen dabei unterstützen die Fähigkeit zu entwickeln, sich selbst zu „ermächtigen“, um diese Macht dann positiv in einem größeren Kontext anzuwenden. 

Welche negativen Erfahrungen hast du in deinem Leben gemacht, die dich letztendlich (auch) zum Thema Kämpfen und Selbstbehauptung geführt haben?
Oft waren es nicht die negativen Begebenheiten oder Missstände, die mir selbst widerfahren sind, sondern die Beobachtung von Menschen, die sich für andere Menschen, Wesen, die Umwelt und einen besseren Umgang stark gemacht haben. Das war und ist mir Leitbild.

Wieso tust du das, was du tust? Hast du eine Mission oder ein Ziel, was treibt dich an?

Ich habe in meinem Kopf und meinem Herzen tatsächlich eine Riesen-Vision und Mission. Ich möchte, dass wir mit allen Lebewesen auf diesem Planeten gerechter und verständiger leben. Wir unter uns Menschen, aber auch mit allem anderen, was hier so kreucht und fleucht. Und dafür ist ein NEIN zu schlechtem, egoistischem Verhalten und ein starkes Standing ebenso wichtig wie in die Eigenverantwortung zu gehen.

Dein Buch „So sehen Siegerinnen aus“ ist erst vor kurzem auf den Markt gekommen. Wieso hast du dich entschlossen, dein Wissen in ein Buch zu packen?
Ich finde, das Format Buch schon seit ich lesen kann einfach großartig. Anstatt vorgefertigte Bilder von außen aufzunehmen (wie z.B. beim Fernsehen), entstehen beim Lesen eigene Bilder im Kopf und damit beginnt bereits der Prozess. Und jede*r kann sich die benötigte Zeit zum Nachempfinden und Verstehen nehmen.

Was ist dein konkreter Ansporn, dein Wissen und deine Erfahrungen zu teilen?
Der Kindergarten gegenüber meines Hauses. Die Mädels und Jungs dort sind die Zukunft. Der Vogelruf in der Früh. Das Plätschern eines reinen Gebirgsbaches. Das verschmutzte Meer.  Die totgefahrenen Igel. Der Mistkäfer im Elefantenhaufen. Das erfüllte Lachen älterer Menschen.

An wen richtet sich dein Buch?
An Frauen wie auch an Männer, die sich freikämpfen wollen, in die Verantwortung hinein, ihre eigene Vision und Mission zu leben. Es ist oft gar nicht so einfach, sich selbst zu vertrauen, den Mut zu haben, sich zu entscheiden und folglich auch die Konflikte hierfür auszufechten und dafür auch den ein oder anderen spöttischen Kommentar und Blick auszuhalten. 

Ich möchte, dass Menschen erkennen, dass ein Konflikt oder Provokation per se nichts Negatives ist, sondern eine Wachstumsgrenze aufzeigt und somit als Gewinn erachtet werden kann. Aber das Buch wendet sich auch an Menschen, die kleine Tipps im Alltag benötigen, wie sie sich in einer Vortrags- und Verhandlungssituation wohlfühlen und präsent sind.

Was bedeutet es für dich, Frauen zu Siegerinnen zu machen?
Viel, denn nur gemeinsam können wir etwas ändern. Jede darf und muss sich stark und siegreich fühlen. Ein jede*r muss das Gefühl und die Chance haben, ein wertvolles Leben zu führen.

Siehst du dich als Feministin?
Ich denke, es gibt nach wie vor viel zu tun im Sinne von Chancengleichheit. Aber Verurteilungen, die alle Männer zuerst einmal verteufelt und laut schreit, mag ich nicht. Oft haben auch Männer mit den ihnen auferlegten Rollenbildern genauso zu kämpfen wie wir mit unserem. Dennoch, wir benötigen definitiv andere Modelle und mehr Frauen in entscheidenden Positionen. Dabei ist mir wichtig, dass der Weg dahin ein leichterer wird und der gegenseitige Respekt Voraussetzung und Selbstverständlichkeit ist.

Wie unterscheidet sich dein Verhältnis zu Männern und Frauen?
Mein Verhältnis unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und von Mensch zu jedem anderen Wesen, was hier noch seine Heimat hat. Ist mein Gegenüber freundlich, bin ich es auch, ist es nicht freundlich und hat Gründe dafür, versuche ich, es zu verstehen. Ist jemand aber einfach nur gemein oder behandelt sein Gegenüber wertlos, weil er Freude daran hat oder hierarchisch die Macht missbraucht, dann werde ich ziemlich „grantig“. Das ist nicht unterteilt in Geschlecht, Hautfarbe und Wesensart.

(c) Anthon Wessels

Was hat Afrika mit der ganzen Sache zu tun?
Die eigene Wildheit im Herzen zu spüren und ungezähmt zu sein – dafür steht für mich Afrika. Im Busch gibt es ein paar simple, aber unumstößliche Regeln. Daneben hat viel Freiheit Platz. Wir in unserer zivilen Gesellschaft sind schon sehr in unserem digitalen Dschungel und unserer Versicherungsgläubigkeit gefangen und fabrizieren manchmal auch unfassbaren Gedankenschrott und überflüssigen Arbeitskram. Auch wird in Afrika nicht so viel um des Kaisers Bart diskutiert – es steht die Stille, das Beobachten und Handeln im Vordergrund.

Zwei Lektionen, die mir der afrikanische Busch beigebracht hat:

  1. „What ever happens out there, stand your ground, don´t flinch, follow through“. Frei übersetzt: Was auch immer da draußen passiert, halte Stand, nimm nichts vorweg, zieh es durch.
  2. Aber auch: Vertraue deiner Intuition, beobachte dein Gegenüber und höre auf dein Herz.

Was bedeuten dir die Tiere, die Natur und die Kulturen vor Ort?
Es macht mich demütig, wie sehr alles miteinander in Verbindung steht. Vom kleinsten Insekt bis zum großen Elefanten.

Im World Wide Web ist es normal für uns, weltweit vernetzt zu sein.  Darüber hinaus vergessen wir aber, dass dies mit jedem kleinsten Baustein der Natur auch so ist und dass ein netzartiges Geflecht sich durch alles Leben auf der Erde zieht. Wir können nicht ständig kleine Bausteine aus der Gleichung herausnehmen, weil wir uns selbst in allen Dingen so unfassbar wichtig nehmen…

Auch hier geht es um die Anerkennung der Vielfalt, etwas, dass unsere Spezies ja gerade sehr stark für sich einfordert. Dies gilt für mich, aber genauso für alle Wesen auf unserem Planeten. Denn sollten wir den Mistkäfer eines Tages nicht mehr haben, bleiben wir sprichwörtlich auf einem Riesen Haufen Kacke sitzen. Und da geht mehr und mehr meine Kraft und mein Einsatz hin: Bewusstsein zu schaffen, in dem ich die Menschen mit auf Reisen nehme, damit sie riechen, schmecken und spüren können, dass wir alle aufeinander achtgeben müssen und ein Teil eines Ganzen sind.  Basisarbeit und Vermittlung, um hier den Kreis zu schließen.

Liebe Katrin, herzlichen Dank für dein Interview und auch, dass du dein Wissen in einem Buch festgehalten hast, du bist eine Inspiration. 🙂

Mehr Infos zu Katrin, ihrem Buch und Afrika findet ihr unter www.katrin-klewitz.com 

 

 

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