Die nackte Wahrheit

Kaum bekleidete Körper bewegen sich fließend auf einer Bühne, während Zora sie hinter den Kulissen authentisch mit der Kamera einfängt. Der Zauber von Burlesque.

Du tanzt selber Burlesque. Was war zuerst da: das Tanzen oder die Fotografie? Und wie kam es dazu, dann du „Hinter den Kulissen“ von Burlesquetänzen fotografierst?
Seit 15 Jahren bin ich Burlesque Tänzerin, mit dem Namen „Miss Popalina“, ein festes Mitglied der ersten deutschen Burlesque-Truppe, “die Teaserettes“. Also das kam zu erst. Ich kenne fast jeden aus der Szene oder die meisten haben von mir schon mal gehört. Durch meine jahrelange Erfahrung als Tänzerin habe ich eine ganz besondere Nähe zu den Künstlern, ich bin eine von ihnen und zudem eine Frau. Ich gehe stark auf die Persönlichkeit der Leute ein und schaffe dadurch intime Porträts von ihnen und atmosphärische Eindrücke in diese glitzernde Backstage-Welt.

Die meisten kennen meine Bilder, wissen, was sie zu erwarten haben und vertrauen mir. Ich erschaffe leidenschaftliche Bilder für sie (von ihnen?) und versuche, ihren Wünschen entsprechend ein wundervolles Ergebnis entstehen zu lassen.

Du hast mit deiner Fotografie große Erfolge gefeiert. Du hattest auch eine eigene Ausstellung – welche Bedeutung hat es für dich, deine Werke mit anderen Menschen teilen zu können?
Es fällt mir schwer über meine Erfolge zu reden. Was sind Erfolge und was Misserfolge? Ich bin kein Wunderkind; dahintersteckt harte Arbeit und aus Scheitern entwickele ich mich weiter. Mein Erfolg sehe ich dort, wo sich Stars für meine Serien ausziehen :). Mit den Fotoprojekten „Backstage Burlesque“ und „Toyboy – Lady superlative“ hatte ich bisher 5 Ausstellungen in Berlin, Hamburg und München. Ich hatte Veröffentlichung in tschechischen Modezeitschrift „Forman“ und erscheine als junges Talent in „Peoplealbum04“, ein Bund der Reihe der bekannten Fotografie- Jahrbücher von Seltmann+Söhne Verlag. 

Ich arbeite an meinem ersten Fotobuch „Backstage Burlesque“, welches noch dieses Jahr erscheint. Meine Bilder anderen zeigen zu können, bedeutet für mich, Feedback, Austausch und Verkaufspotenzial. 

Hast du manchmal das Gefühl, andere durch deine „Augen“ oder dein „Herz“ schauen lassen zu können?
Das ist sogar mein Ziel. Ich versuche sie so darzustellen, wie ich sie wahrnehme, wie ich sie in meinen Augen und Herz sehe. Die Bilder sollen ihre Geschichten erzählen. Ich versuche Sinnlichkeit und natürliche Schönheit einzufangen. Mit etwas Fantasie entstehen ihre eigenen Bilderwelten, die zu Gefühlen werden können.

Welche Möglichkeiten und Potentiale siehst du in Social Media – in wie weit verstehst du dich als Influencerin?
Social Media ist eine tolle Plattform für verschiedene Branchen und Marken, wo jeder sich kommerzialisieren und etablieren könnte. Ich arbeite gernemit meinen Kollegen zusammen und lebe das Netzwerken an vielen Stellen. Als Influencerin produziere ich kreative Fotos und möchte damit Menschen anregen und inspirieren. 

Du bist auch als Stilberaterin und Kostümverleiherin für Künstler und Produktionen sehr erfolgreich gewesen – welchen Stellenwert hat Mode für dich?
Mein großes Interesse an Mode in jeder Form und ihre grenzenlose Kreativität sorgen dafür, dass ich immer wieder Neues ausprobiere und mein Wissen stetig erweitere. Mode ist unglaublich vielfältig, und für den, der nach einem eigenen Stil schaut, bieten sich überall eine Menge Kleidungsstücke mit dem „ganz besonderen Etwas“. Man muss sich einfach auf die Suche machen oder beraten lassen. Ich könnte jede Frau in eine glamouröse Diva und jeden Mann in einen stilvollen Gentleman verwandeln. 

In wie weit können Klamotten Kunst sein? Welche Bedeutung hat Kleidung für dich? Und was ist dein Lieblings-Outfit/Lieblings-Kleidungsstück?
Mode sollte anziehend und funktional sein, erst dann sollte Ästhetik folgen. Kreationen von Modedesigner sind nicht immer tragbar. Sie können uns aber inspirieren. Immer wieder wiederholen sich Trends. Unsere Generation möchte aber von neuer Mode begeistert werden. Zunehmend mehr Menschen stellen sich gerne individuelle Outfits zusammen. Wir werden mutiger, offener und individueller. Besonders in Berlin, hier auf der Straße läuft die Kunst! Das mag ich sehr ;).

Kleidung hat für mich etwas Experimentelles, womit ich mich selbst verwirklichen kann und etwas Psychologisches, das mir helfen kann, Ziele zu erreichen.

Ich habe einen Stilmix von Vintage bis Modern. Ich schätze Qualität, angenehme Stoffe und Schnitte, die sitzen. Ich mag nicht, wenn jemand das Gleiche trägt wie ich oder man mich auf Grund der Kleidung kategorisiert. Im Moment habe ich als Lieblings-Outfit eine knallrote figurbetonte hochgestellte Hose, die perfekt zu meinem edlen roten Fahrrad passend, kombiniert mit einem schwarzen langarmigen Top aus Baumwolle mit großen Ausschnitt, dazu kurze Kunst-Leder Jacke und schwarze exklusive Schnürstiefeletten im femininen Look.

„Ich könnte jede Frau in eine glamouröse Diva und jeden Mann in einen stilvollen Gentleman verwandeln.“

Und nur zu dir privat – wie lebst du in Berlin? Wie können wir uns deinen Alltag vorstellen?
Ich bin Mutter, also die Basis meines Alltages ist das Leben mit meiner Familie. Aber heute ist mein Kind groß genug, dass auch Platz für meine anderen Leidenschaften wie Reisen, Natur, Kultur und Arbeit ist. 

Und zum Schluss: Wenn du einen Künstler/berühmten Menschen treffen und ihm eine Frage stellen könntest, was wäre es? 
Wie verdienst du mit deiner Kunst genug Geld, um davon zu leben? LOL 

Wo ihr Zora Jurenkova finden könnt:

https://www.zoraphotography.com

https://www.instagram.com/zorajurenkovaphotography/

https://www.facebook.com/zorajurenkova/

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