Fotografin der schönen Künste

Mit ihrer Fräulein Glitter Boutique verhalf sie ihren Kunden zu einem individuellem Stil. Als Fotografin setzt sie Körper perfekt in Szene. Als Tänzerin stand sie jahrelang selbst auf der Bühne. Wer ist diese vielfältige Frau?

Du bist Fotografin, Tänzerin, Stilberaterin, Kostümverleiherin und hast schon unzählige weitere berufliche Stationen hinter dir – als was würdest du dich selber bezeichnen? Wo liegt dein Schwerpunkt?
Heute würde ich mich als „Fotokünstlerin“ bezeichnen. Ich arbeite als freie Fotografin und bilde mich derzeit noch auf einer privaten Academy zum Fotoartisten weiter, das ist eine Kombination aus Fotograf und Mediengestalter. Diesen Sommer werde ich dann fertig. Ich spezialisiere mich auf Menschen-, Porträt-, Mode-, und Erotikfotografie, bevorzugt in Schwarzweiß. Meine Lieblingsthemen sind die Stars und Sternchen der Burlesqueszene. Besonders das Geschehen hinter den Kulissen und Boudoir Fotografie fasziniert mich. Ich übernehme Auftragsarbeiten, stelle aber auch meine eigene Kunstfotografie aus. Ich fotografiere in meinen barock eingerichteten „L’atelier und inszeniere kreative Sets im Studio.

Gelernt hast du an einer Hotelfachschule. Wie kam es dazu, dass du heute fotografierst? Wie würdest du deinen Weg beschreiben und was waren die entscheidenden Meilensteine?
Ich habe meine Kindheit in Prag verbracht und zog danach in die USA. Seit 2000 lebe ich in Berlin. Ich bin seit frühester Jugend als Model unterwegs gewesen und seit über 15 Jahren tanze ich Burlesque. Ich stand oft vor der Kamera und auf der Bühne. Bis Ende 2016 war ich Inhaberin eines Vintage-und Second-Hand-Ladens namens „Fräulein Glitter Boutique“ und arbeitete dort auch als Stilberaterin. Die Boutique war beliebt als Kostümverleih für Fotoshootings. So lernte ich viele interessante Künstler aller Art kennen. Schon in jungen Jahren bemerkte ich, dass Kunst, vor allen Fotografie, meine Leidenschaft ist. Es ist circa 6 Jahre her, dass ich meine erste Kamera bekam und selbst zu fotografieren begann. In den letzten Jahren fotografierte ich primär backstage bei zahlreichen internationalen Burlesque Events. 

Aus vielen Bekanntschaften entwickelten sich freie Kooperationen. Meine Modelle sind meist Kolleginnen und Kollegen aus der Burlesque und Schauspiel Szene, keine professionellen Models.

Zu deinem Weg gehören auch viele Ortswechsel. Aufgewachsen in Prag, dann in die USA, um schließlich in Berlin zu bleiben. In wie weit haben dich diese verschiedenen Stationen geprägt?
Prag ist meine Heimat. Ich bin dort aufgewachsen, dort bin ich zur Schule gegangen, dort habe ich erste wahre Freundschaften geknüpft, dort habe ich meine Pubertät überlebt, dort ist meine Familie und meine Mama, die eine große Rolle in meinen Leben spielt. Mit 18 zog in nach Amerika, raus aus meine Komfortzone und ziehe seitdem endlich die Klamotten an, die ich will. Dort findet sich meine erste Vision: mit Mode zu arbeiten. 

In Berlin lernte ich spannende Menschen kennen, ich fing an, zusammen mit anderen Künstlern zu arbeiten und lernte viel von ihnen. Meine Ideen wurden gefeiert, kritisiert und unterstützt. Ich fand mein neues Zuhause und mich selbst. Berlin bietet mir Raum, interessante Motive, ausgefallene und eindrucksvolle Orte und Menschen, die mich inspirieren.

„Ich bin jeden Tag dankbar, ich selbst seien zu dürfen, mich selbst ausdrücken zu können, als Frau leben zu dürfen.“

In wie weit unterscheiden sich diese Orte und was konntest du jeweils als Inspiration für deine Arbeit und dein Privatleben mitnehmen?
Ich bin tief mit meiner Heimat Prag verwurzelt. Ich habe Prag sehr jung verlassen und viele Ideen für meine Zukunft mitgenommen.

Aus Amerika habe ich mir die Inspiration, nachzudenken mitgenommen. 

Ich wohne nun seit zwanzig Jahren in Berlin und bin immer noch gespannt und neugierig, was hier noch so passiert und bin jeden Tag dankbar, ich selbst seien zu dürfen, mich selbst ausdrücken zu können, als Frau leben zu dürfen. So mag ich es und das ist für mich sehr wichtig und inspirierend.

Du bezeichnest dich selbst mal „Fotografin der schönen Künste“: Wie definierst du Schönheit? Was machen für die die „schönen Künste“ aus?
Meine Definition für „Schönheit“ sind Natürlichkeit und echte Situationen. Am liebsten fotografiere ich Menschen: vom Porträt bis hin zum klassischen ästhetischen Akt mit Fokus auf die Persönlichkeit des Motivs. Es hebt das Wesentliche in den Vordergrund. Ich setze gerne vorhandenes Licht in meinen Arbeiten ein. Dadurch schafft man zeitlose Momente. Die Technik rückt in den Hintergrund. Meine Bilder fangen einen Augenblick ein, sind nicht immer technisch perfekt und manchmal unscharf, fast gar nicht retuschiert. Sie sind leicht provokativ und erotisch, aber elegant und ästhetisch. Ich bin keine klassische Fotografin der „Fine Art“. Trotzdem sind meine künstlerischen Arbeiten keine Auftragsarbeit, es sind Werke, die in meinem Kopf entstehen, die die Sinne anregen.

Welche Künstler und Kunstgattungen haben dich besonders geprägt?
Im Laufe meiner Geschichte gab es viele wichtige Persönlichkeiten die mich geprägt haben. Künstler aus verschieden Epochen. Ich entwickle meinen eigenen Fotografenstil gerne weiter.

Aus der Fotowelt sind das z.B. Helmut Newton, Peter Lindbergh, Irving Penn, Ellen von Unwert, Stanley Kubrick, Vivien Maier, Frantisek Drtikol, meine tschechische Freundin, berühmte Akt Fotografin Tereza z Davle, Alexander Rodtschenko mit seiner Revolution Fotografie und der große Pop Fotograf David La Chapelle. 

Fortsetzung folgt…

 

Wo ihr Zora Jurenkova finden könnt:

https://www.zoraphotography.com

https://www.instagram.com/zorajurenkovaphotography/

https://www.facebook.com/zorajurenkova/

2 Kommentare

  1. Simone Vomberg

    Wäre schön, wenn man den Namen der tollen Künstlerin auch fände … 😉
    Tolle Fotos! Danke für den Artikel!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.